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Diplom- und Master-Arbeiten (eigene und betreute):

S. Dorazin, D. Dorazin:
"Zentren in Wien";
Betreuer/in(nen): M. Surböck; Institut für Städtebau, Stadtplanung und Entwerfen, 2004.



Kurzfassung deutsch:
Historische Entwicklung und Grundlagen für die Planung neuer Stadtteilzentren in Wien

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den unterschiedlichen Zentren in Wien, deren Entstehung und Bedeutung für die Stadt sowie zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten.

Zunächst wurde der Begriff Zentrum und seine Bedeutung näher beleuchtet. Obwohl der Ausdruck "Zentrum "meist als Synonym für "Mittelpunkt" verwendet wird, kann man seine Bedeutung keinesfalls darauf reduzieren. Zentren übernehmen im Stadtgefüge besondere Aufgaben: Einerseits erfüllen sie eine wichtige Versorgungsfunktion, andererseits stellen sie wichtige Bezugspunkte für die Bevölkerung dar. Neben ihrer ökonomischen haben sie also auch symbolische Bedeutung und sind unter anderem Orte der Kommunikation.

Historische Zentren entstanden an Orten mit besonderer natürlicher Lagegunst. Durch den sich entwickelnden regen Warenaustausch etablierten sie sich zu Mittelpunkten des Gemeinschaftslebens. Auch heute müssen Standorte für Zentren bestimmte harte und weiche Kriterien erfüllen. Weiters spielen die Mobilität und die Wirtschaftlichkeit eine bedeutende Rolle.

Eine Typisierung von Zentren kann nach unterschiedlichen Gesichtspunkten vorgenommen werden. Im Rahmen dieser Arbeit wird vor allem auf
. Bürozentren
. Einkaufszentren
. Urban Entertainment Center sowie
. Fachmarktzentren
näher eingegangen.

Im Lauf der Zeit haben sich bereits viele Architekten und Planer mit der optimalen Strukturierung und dem Wachstum von Städten auseinandergesetzt. Eine Auswahl der bekanntesten Stadt- und Zentrenmodelle und deren Hintergründe wird daher im Kapitel 4 genau erläutert. Hier werden auch nicht realisierte Ideen zur Wiener Stadtentwicklung kurz behandelt.

Um die bestehende Stadtstruktur Wiens besser verstehen zu können, wurde die Stadtentwicklung Wiens vor allem in Hinblick auf die Entstehung historischer Zentren und die zahlreichen Stadterweiterungen detailliert dargestellt. Dabei zeigt sich, dass das heutige Stadtbild noch immer von der Gründerzeit geprägt ist, im besonderen durch
. die Anlage der Ringstraße
. die Donauregulierung
. den Wiener Bauzonenplan sowie
. die Festsetzung des Wald und Wiesengürtels.

Im 18. Jahrhundert bildete Wien noch einen kleinen und geschlossenen Stadtkörper, der von außen liegenden selbständigen Dörfern und Kleinstädten umgeben war. Nicht nur die Stadt selbst, sondern auch die Vorstädte außerhalb stellen Zentren dar. Die Abstände zwischen diesen Zentren sind durch die Fußwegentfernung geprägt.

Im 19. Jahrhundert wächst Wien kreisförmig zu einem geschlossenen Stadtkörper und "verschluckt" dabei die kleineren, ehemals außen liegenden Orte. Die alten Strukturen werden vergröbert, die Residenz dominiert als Hauptzentrum, es bilden sich die ersten monozentrischen Strukturen. Durch ein dichtes Straßenbahnnetz sowie überregionale Eisenbahnlinien können die großen Distanzen zurückgelegt werden.

Im 20. Jahrhundert dehnt sich die Stadt weiter kreisförmig aus. Es kommt zu einer Verdichtung im Stadtinneren bei gleichzeitiger Zersiedlung am Stadtrand. Das radiale U- und S-Bahnnetz unterstützt weiterhin die monozentrische Struktur. Um die City zu entlasten, werden erstmals Bezirkszentren zu Hauptzentren aufgewertet. Der Autoverkehr ist das dominierende Verkehrssystem.

Erst seit Mitte der 1980erJahre sieht das städtebauliche Leitbild die bandartige Stadterweiterung entlang Siedlungsachsen, die durch hochrangige öffentliche Verkehrsmittel erschlossen sind, vor. Die polyzentrischen Strukturen werden weiter gefördert.

Um herauszufinden, wo und aus welchen Gründen in den letzten Jahren neue Zentren in Wien entstanden sind, erfolgt eine Analyse und Bewertung ausgewählter Zentren. Insgesamt 17 Projekte, ausgewählt nach speziellen Gesichtspunkten, werden mit Hilfe eines zuvor ausgearbeiteten Kriterienkataloges hinsichtlich verschiedenster Eigenschaften untersucht.

Auffallend ist, dass die Entstehung neuer Zentren zumeist auf ungenutzen Flächen im Stadtgebiet erfolgt. Es dominieren Großprojekte mit mehr als 100.000 m_ Gesamtnutzfläche und einer großen Nutzungsvielfalt von drei oder mehr Funktionen, wobei eine Häufung von Büronutzung festgestellt werden kann. Weiters bieten fast alle Standorte ein hohes Maß an Infrastruktureinrichtungen. Die zunehmende Mobilität der Bevölkerung spiegelt sich in der durchwegs sehr guten Erschließungsmöglichkeit für den Individualverkehr wieder, während einige Projekte markante Defizite bei der Anbindung an den öffentlichen Verkehr aufweisen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, spielen auch weiche Standortfaktoren sowie Erweiterungsmöglichkeiten eine immer größere Rolle.

Die Zentren können auch anhand detaillierter Profile direkt miteinander verglichen werden.

Abschließend sollen zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten für einzelne Typen von Zentren, aber auch für bestimmte Stadtregionen aufgezeigt werden.

Es werden hierbei sowohl die Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich von Einkaufsstraßen, Shopping und Urban Entertainment Centern, Fachmarktzentren, Hochhäusern und Bürozentren noch einmal zusammenfassend präsentiert, als auch Kriterien für die Funktionalität neuer Zentren aufgezeigt.

Auch auf einzelne Standorte mit großem Entwicklungspotential wird näher eingegangen. Dazu zählen der Bereich Erdberger Mais, das Areal zwischen Donau und Donaukanal, die Entwicklungen in Aspern, Floridsdorf und entlang der U1-Verlängerung.
Zuletzt werden einige Instrumente zur Steuerung der gewünschten Entwicklungen vorgeschlagen.

Erstellt aus der Publikationsdatenbank der Technischen Universitšt Wien.