[Zurück]


Bücher und Buch-Herausgaben:

D. Müller:
"Wien 1888-2001: Zusammenhänge der Entwicklung der technischen Infrastruktur- und ÖV-Systeme in den Siedlungsgebieten";
Peter Lang. Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt, 2007, ISBN: 978-3-631-56141-6; 279 S.



Kurzfassung deutsch:
Das vorrangige Ziel dieser Arbeit stellt die digitale Aufbereitung historischer Daten auf einer vergleichbaren Basis zur Abbildung von spezifischen Stadtentwicklungsprozessen dar. Dabei sollen erstmals nicht jene Indikatoren behandelt werden, die bislang die an der Stadthistorie orientierte Stadtforschung dominierten, wie z.B. soziale oder ökonomische Variablen, sondern Indikatoren, welche eine spezielle Versorgungssituation der städtischen Wohngebiete beschreiben. Darunter fallen die infrastrukturellen Gelegenheiten der technischen Infrastruktur (Wasserleitungen, Kanalisation, Gas, Strom und Fernwärme) und die ÖV-Erreichbarkeit.
Zur empirischen und statistischen Analyse wurde das Wiener Stadtgebiet in 0,25ha große Rasterzellen gegliedert. Jede Rasterzelle stellt einen städtischen Standort dar, dem eine bestimmte Intensität der Wohnnutzung, gemessen an der Bevölkerungsdichte, die standörtliche Ausstattung mit technischer Infrastruktur und die ÖV-Erreichbarkeit zugewiesen wurde. In einem Geographischen Informationssystem wurden die Variablen abgebildet und deren Entwicklung näher untersucht.
Für die weiteren Ausführungen liegt die Annahme zugrunde, dass die vergangenen Stadtentwicklungsprozesse geprägt waren von der Entwicklung der Infrastruktur- und Verkehrssysteme: Jene städtischen Standorte, die infrastrukturell besser ausgestattet bzw. mit öffentlichen Verkehrsmitteln besser erreichbar waren, wurden demnach auch intensiver zum Wohnen genutzt. Nachdem die standörtlichen Ausstattungsfaktoren im Zuge der Standortproduktion nicht homogen über die Stadtfläche verteilt wurden, wird davon ausgegangen, dass in der Ausbreitung der technischen Infrastruktur- und ÖV-Systeme im Verlauf der Zeit Regelmäßigkeiten feststellbar sind. Dabei kann auch das unterschiedliche Ausmaß der Betroffenheit durch die Maßnahmen im Ausbau der Infrastrukturnetze verdeutlicht werden.
In der empirischen Analyse wurden die jeweiligen Infrastruktursysteme in ihrer Ausbreitung über alle Standorte der Stadt Wien und über die bewohnten städtischen Standorte zu den Zeitpunkten 1888, 1918, 1945, 1971 und 2001 untersucht. In einem weiteren Analyseschritt erfolgte die Darstellung der Veränderung der standörtlichen Versorgungsdichte in den jeweiligen Zeiträumen der betrachteten Zeitreihe je Infrastruktursystem, um die Ausbreitungsmuster der Infrastruktursysteme im Verlauf der Zeit vergleichen zu können. Die abschließende statistische Analyse diente der Prüfung der Zusammenhänge in der räumlichen und zeitlichen Ausbreitung der Infrastruktursysteme und des Einflusses der technischen Infrastruktur bzw. der ÖV-Erreichbarkeit auf die standörtliche Intensität der Wohnnutzung.
Die Ausbreitung der technischen Infrastruktursysteme in der betrachteten Zeitreihe erfolgte von den innerstädtischen Stadtteilen ausgehend, dominant in Richtung Westen der Stadt, womit deutlich wurde, dass der Donaustrom lange Zeit eine natürliche Barriere in der Erweiterung der Leitungsnetze darstellte. Jene Wohnstandorte, die längere Zeit infrastrukturell und verkehrlich schlechter ausgestattet waren, befanden sich vorwiegend am nördlichen, östlichen und südlichen Stadtrand, wobei die Wohngebiete im Osten der Stadt, die infrastrukturelle Versorgungssituation betreffend, am schlechtesten gestellt waren.
Die größten standörtlichen Ausstattungsdiskrepanzen bestanden zwischen 1918 und 1945 - das Stadtgebiet war infolge von Eingemeindungsphasen sehr stark gewachsen - wogegen die Ausbauleistung der Infrastruktur- und Verkehrssysteme aufgrund der negativen Auswirkungen der zwei Weltkriege (ausgenommen die Zeit des "Roten Wiens" in der Zwischenkriegszeit) eingeschränkt war. Die umfangreichste und intensivste Netzausdehnung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bis 1971 führte zu einer guten infrastrukturellen Ausstattung der Wohnstandorte.
Im gesamten Verlauf der betrachteten Zeitreihe wurden die Zusammenhänge in der Ausbreitung der Infrastruktursysteme sukzessive stärker, wobei die Entwicklung in den inneren und äußeren Bezirken zu trennen ist. Die inneren Bezirke waren bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt infrastrukturell vollständig versorgt. Dagegen wurden die Infrastruktursysteme in den äußeren Bezirken erst allmählich ausgebaut - wobei die Wohngebiete oftmals schneller als die Versorgungsgebiete gewachsen sind. Die Zusammenhänge in der Ausbreitung der Infrastruktursysteme wurden erst im Verlauf der Zeit erst stärker.
Die technische Infrastruktur und die ÖV-Erreichbarkeit bestimmten die Intensität der Wohnnutzung im gesamten Zeitverlauf zu einem gewissen Maß. Die Bevölkerungsdichte wurde entsprechend den Ergebnissen der statistischen Analyse stärker von der technischen Infrastruktur des vorangegangenen Zeitpunktes erklärt als von jener desselben bzw. des nachfolgenden Zeitpunktes. Die Bevölkerung reagierte in der Zeitreihe nachfolgend auf die Ausbaumaßnahmen an den technischen Infrastruktursystemen mit Niederlassung auf den infrastrukturell aufgewerteten Standorten. Dagegen beeinflusste die standörtliche Erreichbarkeit des nachfolgenden Zeitpunktes die Bevölkerungsdichte vielmehr als jene desselben bzw. des vorangegangenen Zeitpunktes. Somit wurden die bestehenden Wohngebiete in der Zeitreihe nachfolgend an die ÖV-Systeme angebunden.

Kurzfassung englisch:
The priority aim of this research represents the digital editing of historical data on a comparable basis to the illustration of specific city development processes. So far, the known urban research projects related to city historical topics were dominated by social and economic indicators. For the first time those variables are not to be treated, but indicators, which describe a specific technical supplying situation of the urban populated areas. Among them fall the infrastructural opportunities of the technical infrastructure (water, sewerage, gas, electricity and district heat) and the public personal transport accessibility.
In preparation for the empirical and statistical analysis the urban area of Vienna was divided into 0,25ha raster cells. Each raster cell represents an urban location with certain intensity of the local residential use, based on the population density, with technical infrastructure equipment and public personal transport accessibility. The digital editing was accomplished in a geographical information system - the urban locations could be illustrated for analysing their development in the course of time.
The research is mainly based on the assumption that the past urban development processes were coined by the development of the technical infrastructure and public personal transport systems. Those urban locations, which were infrastructural better equipped and/or were better attainable with public means of transport, were therefore also more intensively used for living. In the course of location production the location equipment factors were not distributed homogeneous over the city surface, so that in the process of time in the extension of the technical infrastructure and public personal transport systems regularities could be recognized. Also the different extent of the individual concernment could be pointed up by the measures of expanding infrastructure nets.
The empirical analysis is based on the infrastructure systems in their extension over all locations of Vienna on the one hand and over the populated areas of Vienna on the other hand in 1888, 1918, 1945, 1971 and 2001. In a further analysis step the demonstration of the change of the local technical supplying density in the respective periods of the regarded time series for each infrastructure system took place, in order to be able to compare the different spreads of the infrastructure systems expansion in the course of time. The intent of the statistical analysis was to prove how strongly the development of the infrastructure systems was dependent from each other in the course of time and how large the influence of the technical infrastructural equipment and the public personal transport accessibility on the intensity of the local residential use was.
The expansion of the technical infrastructure systems in the regarded time series took place outgoing from the locations in the center of the city, distinctive toward the west of the city. So that it became clear that the Danube stream represented a natural barrier in the extension of the infrastructure systems for a long time. Those urban populated locations, which were infrastructural more badly equipped for a longer time, predominantly were at the northern, eastern and southern outskirts, whereby the urban populated areas in the east of the city were most badly posed and their inhabitants were long-term disadvantaged by the local development measures.
The largest discrepancies of the urban local equipment existed between 1918 and 1945 - the city was very strongly grown in consequence of the incorporation phases in contrast to the expansion of the technical infrastructure and public transport systems, which were reduced due to the negative effects of the two world wars, excluded the time of "Roten Wiens". The most extensive and intensive infrastructural net expansion after the end of the Second World War until 1971 led to a good infrastructural equipment of the urban populated areas - to 2001 nearly all of them were supplied with technical infrastructure and attainable with the public means of transport.
In the entire process of the regarded time series the cohesions in the expansion of the infrastructure systems became gradually stronger, whereby the development is to be separated in the inner and outer districts. The inner districts were infrastructural completely supplied at a very early time and the expansion of the infrastructure systems was already strong since the beginning of regarding. Otherwise the infrastructure systems were gradually developed in the outer districts - whereby the populated areas had often faster grown than the supplied areas. The cohesions in the expansion of the infrastructure systems became only stronger just in the process of the time.
The technical infrastructure and the public personal transport accessibility intended the intensity of the local residential use in the entire process of the regarded time series for a certain measure. The population density was according to the results of the statistic analysis more explained by the technical infrastructure of the preceding time than of that of the same or the following time. The population has followed in the time series the technical infrastructure. The population reacted with using the formerly revalued locations more intensive. But public personal transport accessibility of the following time affected the population density rather as that one of the same or the preceding time. Thus the existing populated areas were tied up in the time series following to the public personal transport systems.

Schlagworte:
technische Infrastruktur, ÖV-Systeme, ÖV-Erschließung, Wohnen, Siedlungsgebiete, Stadterweiterung, Stadtentwicklung, Stadtgeschichte

Erstellt aus der Publikationsdatenbank der Technischen Universitšt Wien.