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Dissertationen (eigene und begutachtete):

E. Semlitsch:
"Spielräume lassen. Performative Interventionen im Kontext der Stadt.";
Betreuer/in(nen), Begutachter/in(nen): Sigrid Hauser, R. Scheuvens; Institut für Architektur und Entwerfen, 2012; Rigorosum: 04.07.2012.



Kurzfassung deutsch:
Forschungsgegenstand dieser Arbeit sind die, im theatralen Spiel und den performativen Interventionen entstehenden Räume und Situationen.
Es sind Räume des spielerischen Als-ob und der improvisierten Spontankommunikation. Durch den temporären und experimentellen Charakter der Interventionen eröffnen diese Möglichkeiten der kurzfristigen Gestaltung von Räumen ergänzend und parallel zu langfristig angelegten Entwicklungsprozessen. Gleichzeitig bezieht sich der Begriff des Spielraums auf die Funktions- und Wirkungsweise der performativen Interventionen, welche in beabsichtigter Weise Freiräume des Denkens und Handelns herstellen. In der performativen Praxis werden wohlüberlegte Angebote gesetzt, die sowohl Kommunikation als auch Reflexion herausfordern. Obwohl es konkrete Eingriffe vor Ort sind, stellen sie keine definitiven Antworten dar, sondern ermöglichen im Gegenteil das Hinterfragen von Selbstverständlichkeiten. Die Aufforderung "Spielräume lassen" stellt damit eine Synthese der Antworten auf die, im Rahmen dieser Arbeit gestellten Forschungsfragen nach den Potenzialen, Bedingungen und Methoden performativer Praxis dar.
Ausgangspunkt ist die Suche nach Möglichkeiten, die unsichtbaren und ungreifbaren Aspekte des Stadtalltags wie Atmosphäre, Emotion oder Imagination als Bestandteile von Raumproduktions- und
-wahrnehmungsprozessen zu verstehen und dementsprechend in die Raumplanungspraxis zu integrieren. Dazu liefert die eigene Tätigkeit als Straßentheatermacherin einen wichtigen Impuls, da das Theater bereits traditionellerweise ein weites Spektrum an Kommunikations- und Interaktionsformen - insbesondere im Bereich des Erlebens, des Fühlens und des Imaginierten - bietet. Zudem agiert das Straßentheater im öffentlichen Raum der Stadt, wodurch ein intensiver Austausch im direkten Kontakt mit den Menschen entsteht und die Stadt und ihr Alltag auf eine besondere Weise erschlossen werden kann. In der Weiterentwicklung der eigenen Praxis wird vielfach auf implizites Wissen zurückgegriffen, das sich über lange Zeiträume entwickeln konnte. Es ist in den Handlungen der Menschen eingeschrieben ist und wird durch diese Handlungen weitergegeben. Dieses Wissen aufzuschließen und in der Verschneidung mit dem Wissen aus der Raumplanung produktiv zu machen, ist das Ziel dieser Arbeit. Performative Interventionen im Kontext der Stadt sind seit einigen Jahren allgegenwärtig - sowohl in den Bereichen Tanz, Theater und künstlerische Installation als auch in der Architektur und der Stadtentwicklung. Das Anliegen dieser Arbeit ist es, Diskussionsgrundlagen und Qualitätskriterien - insbesondere für die Raumplanung - zur Verfügung zu stellen. In der Verschneidung und wechselseitigen Überprüfung von Theorie und Praxis entstehen Thesen zur Beantwortung der Forschungsfragen, welche sich in drei Abschnitte unterteilen lassen: 1) Chancen und Potenziale, 2) Bedingungen und Kriterien, 3) Methoden und Strategien performativer Praxis in der Raumplanung.
Der Forschungsprozess als Wechselspiel zwischen detailierter Betrachtung einzelner Phänomene und distanzierter Strukturierung spiegelt sich im Aufbau der Arbeit wider, welche sowohl Situationsanalysen (Nahaufnahmen) als auch theoretische Verortungen (Perspektiven) enthält und mit einer Überprüfung der Ergebnisse im Rahmen von universitärer Lehre schließt.

Erstellt aus der Publikationsdatenbank der Technischen Universitšt Wien.