[Zurück]


Diplom- und Master-Arbeiten (eigene und betreute):

E. Purkarthofer:
""Niemand wusste genau, worauf man sich einließ" Die Auswirkungen der EU Mitgliedschaft auf die österreichische Planung und ihre Akteure";
Betreuer/in(nen): T. Dillinger; Department für Raumplanung, 2013; Abschlussprüfung: 31.10.2013.



Kurzfassung deutsch:
Vor inzwischen mehr als 18 Jahren trat Österreich der Europäischen Union bei und der Mitgliedsstatus wirkt seither auf fast alle Bereiche der Politik und Verwaltung in Österreich. Im Zuge der vorliegenden Arbeit werden Veränderungen für die Planungsdisziplin und ihre AkteurInnen untersucht, im Überblick dargestellt und bewertet.
Da Raumplanung eine Querschnittsmaterie ist, die viele sektorale Bereiche umfasst und inhaltlich verbindet, wirkt die Europäische Union auf mehreren Ebenen der Planung in Österreich. Zur Strukturierung der Arbeit wurden vier Einflussbereiche festgelegt, die sich inhaltlich und in ihrer juristischen und formalen Umsetzung unterscheiden: Strategien und Policy Papers, Regional- und Strukturpolitik, Sektorpolitiken mit Raumrelevanz sowie Planungsverständnis und Planungskultur.
Die rechtlich unverbindlichen europäischen und österreichischen Strategiepapiere setzen sich vorwiegend mit den Themen Raumentwicklung, Wachstum und Beschäftigung auseinandersetzen, legen die Ziele der Kohäsionspolitik fest und bilden so einen übergeordneten Bezugsrahmen für nationale und regionale Planungsprozesse, der allerdings kaum quantitative Wirkungen zeigt.
Die Regional- und Strukturpolitik hingegen artikuliert sich über eine Vielzahl an Programmen, die unterschiedliche Ziele verfolgen, starken Raumbezug haben und im Zuge derer Projekte mit europäischen und nationalen Mitteln gefördert werden.
Die raumrelevanten Sektorpolitiken sind in sich sehr unterschiedlich. Während die Umweltpolitik fast ausschließlich über Richtlinien, die von der EU beschlossen werden und in österreichisches Recht integriert werden müssen, aktiv wird, basiert die Agrarpolitik auf Förderungen und ist in ihrer Umsetzung daher der Regionalpolitik ähnlich. Die Verkehrspolitik wiederum enthält sowohl rechtliche Vorgaben als auch strategische Komponenten (z.B. Transeuropäische Netze), die mit der Vergaben von finanziellen Mitteln einhergehen.
Der europäische Kontext und Diskurs zeigt auch Effekte auf die österreichische Planungskultur. Diese ergeben sich sowohl aus Veränderungen von individueller Handlungsorientierung, Interaktionsorientierung und Akteurskonstellation als auch aus einem veränderten institutionellen Handlungsrahmen.
Methodisch basiert die Arbeit einerseits auf der Analyse bestehender Literatur, wobei hier sowohl Evaluierungen und Bewertungen einzelner Programme als auch Publikationen zum Einfluss der EU im Allgemeinen Berücksichtigung fanden, und andererseits auf 20 leitfadengestützten Interviews, in denen Expertinnen und Experten der österreichischen Planungslandschaft zu ihren Erfahrungen und Meinungen zur Europäischen Union befragt wurden.
Die Arbeit kommt zu der Erkenntnis, dass sechs Aspekte der Planung in Österreich maßgeblich durch die EU beeinflusst wurden. Institutionell haben vor allem die Bundesebene sowie regionale bzw. lokale PlanungsakteurInnen an Bedeutung gewonnen, da sich neue Planungseinheiten etablierten, die nicht mit den Gebietskörperschaften ident sind. Die EU stärkte auch die strateii
gische Komponente der österreichischen Planung, da einerseits Strategiepapiere entwickelt wurden und andererseits die Planungssicherheit durch mehrjährige Förderperioden erhöht wurde. Auch finanzielle und rechtliche Veränderungen haben sich eingestellt, wenngleich deren langfristige Effekte für die Planung relativ gering sind. Daneben änderten sich auch praktische Aspekte der Planung mit dem Beitritt zur Europäischen Union: So ist auf der einen Seite eine enorme Komplexitätssteigerung der Abwicklung von Förderprogrammen und -projekten zu verzeichnen, auf der anderen Seite wurde dadurch ein Qualitätsschub der Planungsdisziplin ausgelöst und die Professionalisierung ihrer AkteurInnen vorangetrieben. Nicht zuletzt zeichnen sich Effekte bezüglich der Einstellungen und Werthaltungen der PlanerInnen ab, die als verstärkt internationales Denken zusammengefasst werden können.

Kurzfassung englisch:
Abstract
More than 18 years ago Austria acceded to the European Union and since then the status as a member state affects almost all aspects of Austrian politics and administration. This thesis aims to summarize all sectors of the Austrian planning system which are influenced by the European Union and to highlight and evaluate changes and effects.
Spatial planning with its interdisciplinary approach tangents and connects several distinct political fields and is therefore affected by the EU on many different levels. The numerous impacts between the EU and Austria can be divided into four spheres of influence: strategies and concepts, regional policy and structural funds, spatially related sector policies and planning culture.
European and Austrian strategies and concepts are not legally binding and deal with the topics regional development, growth and jobs and define goals for the structural funds. They therefore serve as superordinate reference framework for national and regional planning processes but hardly show quantitative effects in the member states.
Regional policies and structural funds are expressed through a variety of programmes with spatial reference, aimed at different development goals and implemented through projects with European and national funding.
Spatially related sector policies affected by the EU are very diverse. Environmental policies are mainly realised through legal directives, whereas the agricultural policies are implemented through funding. Transport policies show both legal and strategic aspects (e.g. Trans-European Networks) which are accompanied by financial support.
The influence of the European dimension is also visible in changes concerning the Austrian planning culture, more precisely the constellation of stakeholders, orientation of action and interaction as well as the operational framework.
The methodical approach includes both literature analysis and expert interviews. Information obtained through the analysis of evaluations and assessments of EU Programmes and publications concerning the influence of the EU were combined with individual experiences and opinions of 20 Austrian planning experts with different professional background.
Literature and expert interviews revealed a wide-range of effects. The institutional setting changed towards a stronger national and regional level, in which participants in the planning process are not necessarily identical with administrative subdivisions. The strategic aspect of planning gained importance due to the development of concepts and perennial funding periods. EU-based changes concerning financial and legal aspects can be noticed although their long-term impacts on the planning system seem relatively small. Planning practice is characterised by quality improvements and professionalisation while simultaneously, administrative tasks and bureaucracy show a significant increase. Not least intangible effects on the mindsets of planning stakeholders can be observed, whereby the increasing international attitude is one of the key findings.


Elektronische Version der Publikation:
http://publik.tuwien.ac.at/files/PubDat_226776.pdf


Erstellt aus der Publikationsdatenbank der Technischen Universitšt Wien.