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Vorträge und Posterpräsentationen (mit Tagungsband-Eintrag):

D. Adam:
"Innovationen in der Geotechnik - Straßen und Eisenbahnen";
Hauptvortrag: Seminar Infrastruktur 2, HTBL u. VA Mödling (eingeladen); 06.03.2014 - 07.03.2014; in: "Seminar Infrastruktur 2", Eigenverlag, (2014).



Kurzfassung deutsch:
Die "alte" RVS 8.24 "Erdarbeiten", die nun die Bezeichnung RVS 08.03.01 (2010) trägt, stammte aus dem November 1979 und war damit eine der ältesten noch geltenden Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen in Österreich. Es ist wohl als "Qualitätsmerkmal" anzusehen, dass sich eine Richtlinie in einer Zeit permanenter Veränderung so lange hält und damit den Stand der Technik repräsentiert. Negativ ausgedrückt könnte man jedoch auch diametral dazu meinen, dass in den letzten Jahren "Stillstand" auf dem Gebiet der Entwicklungen im Erdbau geherrscht hat. Doch das ganze Gegenteil ist der Fall! Gerade auf dem Sektor der Erdarbeiten, insbesondere im Zusammenhang mit maschinellen Entwicklungen und modernen Prüfsystemen, hat in den letzten beiden Jahrzehnten eine Revolution stattgefunden, die den Erdbau zu einem modernen "Hightech"-Sektor werden ließ. Die RVS 8.24 war jedoch damals so klug formuliert worden, dass sie den Stand der Technik über viele Jahre derart "zeitlos" repräsentierte, sodass zahllose Entwicklungen umgesetzt werden konnten, ohne die Regelungen zu missachten. Im Jahre 1979 wurde quasi ein "Handbuch" über die Grundregeln des Erdbaus geschrieben, das damals auf Basis der neuesten Erkenntnisse einen sehr praxisorientierten Zugang zu der äußerst komplexen Materie des Erdbaus erschloss und drei Jahrzehnte den Erdbau im österreichischen Straßenbau prägte und darüber hinaus auch Vorbild für Erdbauten in anderen Disziplinen war. Zwischenzeitlich kristallisierten sich jedoch durch die Weiterentwicklung der Elektronik und der Messtechnik neue damals ungeahnte Möglichkeiten insbesondere im Zusammenhang mit modernen Prüfmethoden heraus, die eine Anpassung der RVS 8.24 an den Stand der Technik nicht nur sinnvoll, sondern notwendig machten. Auslöser für die Überarbeitung war schließlich der lang gehegte Wunsch, die erdbaulichen Maßnahmen für Verkehrswege, d.h. für Straßen und Eisenbahnen, zu vereinheitlichen. Auf Initiative der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der Arbeitsgruppe Untergrund der Österreichischen Forschungsgesellschaft Straße - Schiene - Verkehr (FSV) wurde ein gemeinsamer Arbeitsausschuss ins Leben gerufen, der in vorbildlicher Weise sowohl die bisherigen Regelungen für Straßen und Eisenbahnen berücksichtigte als auch Erfahrungen und insbesondere neue Entwicklungen in die "neue" RVS 08.03.01 einbezog. Am 01.10.2010 trat die neue Richtlinie mit der Verbindlicherklärung durch die Landeshauptleute aller neun österreichischen Bundesländer in Kraft.

Ist durch das Aufbringen von Bauwerkslasten und Schüttungen die Tragfähigkeit des Untergrundes nicht mehr gegeben oder bewirken diese zu großen Verformungen, so ist eine Gründung auf dem direkt anstehenden Boden nicht (mehr) möglich. Es müssen in diesem Fall entweder die Eigenschaften des gewachsenen Bodens verbessert oder die Lasten in tiefer liegende Schichten übertragen werden.
Baugrund- bzw. Bodenverbesserungsmaßnahmen werden zunehmend im Zuge von Optimierungen von Erdbau- und Gründungsmaßnahmen herangezogen. Das Wesen der Baugrundverbesserung besteht darin, den anstehenden Untergrund mit unzureichenden Eigenschaften hinsichtlich Trag- und Setzungsverhalten soweit zu verbessern, dass in erster Linie folgende Effekte erzielt werden:
. Erhöhung der Tragfähigkeit
. Erzielen bzw. Verbesserung der Gebrauchstauglichkeit
o Verringerung der Setzungen
o Vorwegnahme von Setzungen
o Homogenisierung und Vergleichmäßigung des Setzungsverhaltens
o Beschleunigung der Konsolidation
. Verringerung oder Erhöhung der Durchlässigkeit (je nach Bedarf)
. Erhöhung der Erdbebensicherheit durch Verringerung des Verflüssigungspotenziales
Durch die "flexible" Verbesserung des Bodens wird in erster Linie eine Homogenisierung der Bodenverhältnisse angestrebt, während die Setzungen zwar verkleinert, aber üblicherweise nicht auf ein Mindestmaß reduziert werden. Demgegenüber stehen Tiefgründungen, mit denen die Lasten durch die nicht ausreichend tragfähigen bzw. setzungsgefährdeten Bodenschichten hindurch konzentriert in entsprechend tragfähige Schichten abgeleitet werden.
In den letzten Jahren gab es zahlreiche (Weiter-)Entwicklungen auf dem Gebiet der Bodenverbesserung. In den folgenden drei Kapiteln wird auf Innovationen in den Bereichen der Bodenverdichtung, der Bodenveränderung und der Bodenentwässerung eingegangen, nicht jedoch auf die Bodenbewehrung, da dies den Umfang des Beitrages bei Weitem sprengen würde.

Schlagworte:
RVS Erdarbeiten; Tragfähigkeit; Setzungsverhalten; Erdbebensicherheit


Elektronische Version der Publikation:
http://publik.tuwien.ac.at/files/PubDat_230083.pdf


Erstellt aus der Publikationsdatenbank der Technischen Universitšt Wien.