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Zeitschriftenartikel:

A. Psenner:
"The Viennese 'Gewölb': a highly decisive factor for the functioning of public space";
angenommen für Der Öffentliche Sektor - The Public Sector Vol. 47 (2018), 1; S. 67 - 77.



Kurzfassung deutsch:
Mit "Gewölb(e)" werden in originalen gründerzeitlichen Einreichplänen die dem Straßenraum unmittelbar zugewandten Räume bezeichnet. Sie weisen Gassentüren, also direkte Verbindungen zum öffentlichen Raum auf, nach hinten schließen sie oft an kleine Küchen bzw. sogenannte Magazine an; damit dienten sie als Minimaleinheiten zum Wohnen und Arbeiten.
Unsere Studien belegen den - ursprünglich - durchwegs halböffentlichen Nutzungscharakter dieses essentiellen Teils des Wiener StadtParterres und erklären die Raumeinheiten damit zum, für das Funktionieren von öffentlichem Raum, entscheidenden Faktor. Aufgrund der hohen BesucherInnen¬frequenz bewirkte die spezielle, dem Straßenraum zugewandte, offene Nutzungsweise, dass die Fassade als Permeable fungierte: sie ermöglichte einen übergreifenden Austausch zwischen öffentlichen und halböffentlichen Sphären. Gleichzeitig geht aus unseren Studien, mit Bezug auf die aktuelle Lage, jedoch ein deutlicher Rückgang der sogenannten halböffentlichen Nutzungen im Erdgeschoß hervor. Während das historische StadtParterre als einheitliche, in sich verbundene Struktur funktionierte, ist die ursprüngliche Permeabilität der EG-Fassade und der Austausch zwischen den verschiedenen Zonen heute nicht mehr gegeben. Derzeit zerlegen uneinsichtige Barrieren (zumeist unternutzte oder strukturfremde Bereiche, wie Garage, Lager mit ihren zugemauerten Fensteröffnungen; Großeinheiten von Super¬märkten mit verklebten Fensterscheiben) das StadtParterre und brechen es in einzelne, unzusammenhängende Teilabschnitte.
Auf Grundlage der kleinteiligen, exakten Darstellungs- und Analysemöglichkeit der von uns verwendeten UPM-Methode (s. Methodology) lassen sich architektonische und nutzungstechnische Veränderungen des historischen StadtParterres feststellen und analysieren. Ebenso werden Änderungen in der Fassadengestaltung, betreffend Gebäudeöffnungen und der da¬mit einhergehenden Fassaden-Permeabilität erfasst, sodass Art und Qualität der Verbindun¬gen zwischen gebautem Raum, Hof und Straße klassifiziert werden können. Schlussendlich gewinnen wir anhand dieses systemischen, ganzheitlichen Zugangs Einsicht in die funktionalen Zusammenhänge der derzeitigen Nutzungslage. Daraus lassen sich allgemein gültige Aussagen betreffend Wiener StadtParterre ableiten, welche letztendlich in eine entsprechende Evaluation der urbanen Raumkonstellationen eingespielt werden können.

Kurzfassung englisch:
In original Gründerzeit plans the term "Gewölb(e)" was used for rooms directly facing the street. They had alley doors and thus were connected to public space; on the rear side, they were attached to small kitchens or so-called magazines-in this way featuring a micro unit for living and working.
Our studies document the originally semi-public usage of this crucial part of the Viennese StadtParterre and thus prove the Gewölbe to play a decisive role in the functioning of urban public space. Due to high visitor frequency, this particular open, street facing use, caused the façade to function as a permeable: it allowed a consistent interchange of public and semi-public spheres.
However, concerning the actual state of the Viennese StadtParterre our studies determine a significant decline of this semi-public usage. On the basis of our analytical approach and the micro-structural visualization of the urban parterre system architectural deviations and changes in usages can be determined, thus the (historical) structure of the StadtParterre can be analysed. Changes in the façade design regarding building openings and with it its permeability are also recorded so that type and quality of the connections between the building, the yard and the road can be classified. Ultimately, we use this systemic, holistic approach to gain insight into the functional contexts of the current situation. From this it is possible to derive valid statements regarding the Viennese StadtParterre, which can ultimately be integrated into a corresponding evaluation of the general organisation of urban space constellations

Schlagworte:
Urban Space Research; Public Space; Ground Floor; Use Structure; Vienna


Zugeordnete Projekte:
Projektleitung Angelika Psenner:
StadtParterre, Wien


Erstellt aus der Publikationsdatenbank der Technischen Universität Wien.