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Dissertationen (eigene und begutachtete):

N. Hauck:
""Barrierefreie Beleuchtungslösungen für sehbehinderte Menschen in Innenräumen sowie Entwicklung einer Kontrastbestimmungsmethode";
Betreuer/in(nen), Begutachter/in(nen): A. Mahdavi, E. Fürst, M. Gebhardt, M. Surböck; Institut für Architekturwissenschaften, Abteilung Bauphysik und Bauökologie, 2018; Rigorosum: 12.12.2018.



Kurzfassung deutsch:
Einleitung. Sehbehinderte bzw. hochgradig sehbehinderte Personen orientieren sich primär durch ihr vorhandenes Sehvermögen. Ungünstige Beleuchtung kann das bereits reduzierte Sehpotential nochmals herabsetzen. Primäres Ziel dieser Arbeit ist die Erstellung barrierefreier Licht- und Beleuchtungslösungen sowie die die Erarbeitung einer Berechnungsmethode für den subjektiv wahrgenommenen Kontrast. Daraus sind resultierende Empfehlungen und Richtlinien für Planer und für die Normierung abgeleitet worden.
Methoden. Für die Überprüfung der Sehleistung bei verschiedenen Lichtbedingungen wurde ein eigener Versuchsaufbau entwickelt, mit dem verschiedene Adaptationsleuchtdichten erzeugt werden konnten. Über einen helligkeitsverstellbaren Monitor wurden verschiedene Sehtests dargestellt und die Sehleistung in Abhängigkeit von der Adaptationsleuchtdichte sowie Blendung bestimmt. In Form von Interviews wurde zusätzlich das subjektive Empfinden der sehbehinderten Probanden erfragt. Es haben 98 sehbehinderte Menschen und 38 Personen ohne Augenerkrankungen an der Studie teilgenommen.
Ergebnisse. Die Ergebnisse aus den Interviews und den Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten sehbehinderten Personen einen speziellen, individuellen Lichtbedarf haben. Die meisten Betroffenen benötigen höhere Helligkeiten, um ihre maximale (persönliche) Sehleistung zu erreichen. Bei dieser Personengruppe ist der Lichtbedarf in über 50 % der untersuchten Personen erhöht und bei 75 % eine erhöhte Blendempfindlichkeit vorhanden. Ebenso werden Probleme bei der Adaptation und bei ungleichmäßiger Beleuchtung genannt. Sehbehinderte Personen zeigen einen deutlichen Effekt in der Sehleistung bei unterschiedlichen Helligkeiten. Bei Blendung haben die Personen mit Augenerkrankungen eine stark erhöhte Kontrastschwelle und eine höhere subjektive Störempfindung im Vergleich zu normalsehenden Personen. Generell hat die Blendung einen entscheidenden Einfluss auf die Sehleistung sehbehinderter Menschen. Für die Kontrastberechnung unter Berücksichtigung äußerer und physiologischer Einflüsse wurde die Glare-Contrast-Sensitivity und die Kontrastberechnung nach Hauck entwickelt.
Schlussfolgerungen. Für die Allgemeinbeleuchtung ist für sehbehinderte Menschen eine vorwiegend indirekte Beleuchtung zu bevorzugen. Für die horizontale Beleuchtungsstärke in allgemein genutzten Räumlichkeiten sind die Werte aus der ÖNorm EN 12464-1 heranzuziehen. Für eine gute visuelle Kommunikation sollte auf eine hohe zylindrische Beleuchtungsstärke geachtet werden. In individuell genutzten Räumen sowie an Sehbehindertenarbeitsplätzen sollte der individuelle Helligkeitsbedarf berücksichtigt werden. Blendungen sind generell möglichst gering zu halten. Es ist ein UGR-Wert <13 anzustreben. Für die Berechnung des photometrischen Kontrasts von Materialien zueinander ist die Anwendung der Michelson-Formel sehr gut anwendbar. Um Kontraste wahrnehmen zu können sind physiologische Aspekte und die Bedingungen im Umfeld zu berücksichtigen. Hier hat die neue Kontrastberechnung nach Hauck deutliche Vorteile.

Kurzfassung englisch:
Introduction. Visually-impaired or severely visually impaired persons are primarily guided by their existing vision. Unfavorable lighting can further reduce the already reduced visual potential. The primary goal of this work is the creation of barrier-free lighting and lighting solutions as well as the development of a calculation method for the subjectively perceived contrast. From this, the resulting recommendations and guidelines for planners and for standardization have been derived.

Methods. For the examination of the visual performance in different light conditions, a new dedicated experimental setup was developed by which different adaptation lighting densities could be generated. A variety of visual tests were presented by means of a brightness-adjustable monitor and the visual performance was determined as a function of the adaptation luminance as well as glare. In the form of interviews, the subjective feelings of the visually impaired subjects were also surveyed. 98 visually impaired people and 38 normal sighted people participated in the study.

Results. The results of the interviews showed that most of the visually impaired persons have individual light requirements. In this group of people the need for light is increased in more than 50 % of the examined persons and in 75 % an increased glare sensitivity is present. Problems with adaptation and uneven lighting are also mentioned. Visually impaired persons show a clear effect in the visual performance at different levels of brightness. In the case of glare, the persons with eye diseases have a strongly reduced contrast threshold and a higher subjective disturbance sensation compared to normal eyesight. In general, glare has a decisive influence on the visual performance of visually impaired people. For the contrast calculation taking into account external and physiological influences, the glare-contrast-sensitivity and the contrast calculation according to Hauck were developed.

Conclusions. For general lighting, a predominantly indirect lighting is to be preferred for visually impaired people. For horizontal illuminance in commonly used premises the values from ÖNorm EN 12464-1 are to be used. For a good visual communication attention should be paid to a high cylindrical illuminance. In individually used rooms as well as in visually impaired workplaces the individual brightness requirement should be considered. Glare should generally be kept as low as possible. A UGR value < 13 should be aimed for. For the calculation of the photometric contrast of materials to each other, the application of the Michelson formula is very well applicable. In order to be able to perceive contrasts, physiological aspects and the surrounding conditions must be considered. Here, the new contrast calculation according to Hauck has clear advantages.


Elektronische Version der Publikation:
https://publik.tuwien.ac.at/files/publik_274416.pdf


Erstellt aus der Publikationsdatenbank der Technischen Universitšt Wien.